Die EK-UNICO GmbH – für uns das kompetente Bindeglied zwischen Forschung, Spitzenmedizin und Einkauf. Eine vertrauensvolle Partnerschaft, die uns seit 13 Jahren begleitet und auch in Zukunft Bestand hat.“

Ralf Hoffmeister
Direktor Vertrieb Deutschland
BIOTRONIK Vertriebs GmbH & Co. KG

20.12.2016

Universitätsklinika: Wie man die Sachkosten in den Griff bekommt

Rahmenbedingungen, Lösungen und Erfolgsbeispiele


Die Referenten des EK-UNICO-Symposiums auf dem Innovationsforum 2016 des VUD: v.l.n.r.: Fritz Grupe (Moderator und Senior Client Partner, InterSearch Executive Consultants), Univ.-Prof. Dr. med. Gernot Marx (Klinikdirektor, Universitätsklinikum Aachen), Dr. Frank Obbelode (Geschäftsführer, EK-UNICO GmbH), Prof. Dr. med. Thomas Ittel (Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender, Universitätsklinikum Aachen), Dr. Axel Kaiser (Stellv. Vorstandsvorsitzender, Lohfert & Lohfert AG)

Die intelligente Steuerung der Sachkosten spielt für die Wirtschaftlichkeit der Universitätsklinika eine immer entscheidendere Rolle. Aufgrund ihres spezifischen Leistungsspektrums ist es dabei eine besondere Herausforderung, den hochpreisigen High-End-Bedarf patientengerecht und zugleich kostengünstig zu decken. Eine Reihe von Beispielen zeigt, dass erhebliche Einsparungen beispielsweise durch Produktstandardisierungen oder Leitlieferantenkonzepte realisiert werden können – bei gleicher oder sogar verbesserter Versorgungsqualität. Erfolgsfaktoren sind die konsequente Digitalisierung aller Prozesse, eine Kommunikation zwischen ärztlichen Anwendern, Pflegepersonal und strategischem Einkauf, die auf Augenhöhe stattfindet, und die Unterstützung durch eine auf den universitären Bedarf spezialisierte Einkaufsgemeinschaft.

Überzeugende medizinische Qualität mit Kostenbewusstsein und wirtschaftlichem Handeln zu verknüpfen, wird zunehmend eine gesundheitsökonomische Kernaufgabe der Krankenhäuser. Ein gewichtiger Faktor sind die medizinischen Sachkosten, die bei den Universitätsklinika einen Anteil von etwa 20 Prozent an den Gesamtkosten ausmachen. Universitätsklinika haben als Träger der medizinischen Forschung wie auch der Maximalversorgung einen besonderen Bedarf an hochwertigen, innovativen und oft auch sehr speziellen Produkten, um die an sie gestellten hohen medizinischen und wissenschaftlichen Anforderungen zu erfüllen, den vor allem komplexe Erkrankungen und die große Zahl multimorbider Patienten erfordern.

Der Kostendruck wächst

Benötigt werden dafür vielfach High-End-Produkte, die Hauptkostentreiber beim medizinischen Sachbedarf der Universitätsklinika sind. Häufig handelt es sich um neu entwickelte Geräte, Instrumente oder Materialien, die erst am Anfang ihres Lebenszyklus stehen und dementsprechend kostenintensiv sind, wobei sich die Lieferanten nicht selten in einer Oligopol- oder sogar Monopol-Position befinden. Diese haben das Ziel, in dieser Phase des Lebenszyklus des Produktes die getätigten Investitionen durch adäquate Margen zu refinanzieren, denn wenn die Produkte nach erfolgreichem Einsatz in den Universitätsklinika in die Grund- und Regelversorgung kommen, setzt meist ein Preisverfall mit stark sinkender Profitabilität für die Hersteller ein.

Eine zusätzliche Herausforderung ist nun dadurch entstanden, dass der Gesetzgeber im Krankenhausstrukturgesetz beschlossen hat, eine vermeintliche „Übervergütung“ des Sachkostenanteils innerhalb der Fallpauschalen zugunsten der Personal- und Infrastrukturkosten zu korrigieren. Es ist absehbar, dass sich dadurch der Sachkostendruck gerade bei den Uni-versitätsklinika mit ihren hochspezialisierten und sachkostenintensiven Diagnose- und Therapieverfahren erhöhen wird. Zudem steht es um die Wirtschaftlichkeit der Universitätsklinika ohnehin nicht zum Besten: In 2015 haben nur sechs der mehr als 30 Universitätsklinika schwarze Zahlen geschrieben.

Erfahrungen aus der Praxis

Um angesichts dieser Rahmenbedingungen einen Erfahrungsaustausch zu initiieren und Handlungsmöglichkeiten zu diskutieren, hat die Einkaufsgemeinschaft EK-UNICO ein Symposium zum Thema „Sachkostensteuerung an Universitätsklinika – Spannungsfeld zwischen Innovationsmanagement und guten Preisen“ veranstaltet, das im Rahmen des Innovationsforums 2016 des Verbandes der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) stattfand. Die EK-UNICO als führende Einkaufsgemeinschaft der Universitätsklinika hat sich auf universitäre Einrichtungen mit ihrem spezifischen Beschaffungsprofil spezialisiert.

Die Erfahrungsberichte der medizinischen und kaufmännischen Experten aus der Praxis machen deutlich, welch zentralen Stellenwert das Thema Sachkostensteuerung im Alltag der deutschen Universitätskliniken bereits erlangt hat. Prof. Dr. Thomas Ittel, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Aachen meint sogar: „Kostenmanagement, Sortimentsbereinigung und strategischer Einkauf werden noch an Bedeutung zunehmen.“ Vor allem die Umschichtungen der Kostenvergütung innerhalb der DRG-Matrix werden nach seiner Einschätzung für noch angespanntere Rahmenbedingungen sorgen und nach angemessenen Antworten verlangen. Eine der Antworten hat die EK-UNICO bereits gegeben: Sie baut in neu abgeschlossene Lieferantenvereinbarungen einen Vorbehalt ein, der neue Preisverhandlungen für ihre Mitgliedshäuser für den Fall vorsieht, dass der Sachkostenanteil in den DRGs durch die geplanten Umschichtungen signifikant sinken wird.

Neues Denken gefragt

Damit eine Sachkostenoptimierung bei gleichzeitiger Wahrung der hohen medizinischen Standards gelingt, müssen Vertreter der kaufmännischen und der medizinischen Seite kooperieren. Eine Stärkung der Position des strategischen Einkaufs in den Häusern ist dafür erforderlich. „Der Einkauf muss sich vom reinen Besteller hin zum Wertschöpfungskettenmanager entwickeln“ – dafür plädiert Dr. Axel Kaiser, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Lohfert & Lohfert AG. Dazu ist ein Geist wechselseitiger Anerkennung und Kooperation zwischen medizinischer Seite und Einkauf notwendig. Mit der griffigen Formulierung „Medizinmanagement ist Kulturmanagement“ brachte Dr. Kaiser dieses neue Bewusstsein auf den Punkt.

Was ist für welchen Patienten tatsächlich notwendig?

Für Prof. Dr. Gernot Marx, Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care am Universitätsklinikum Aachen, ist Transparenz einer der Schlüssel zum Erfolg: „Die Offenlegung der Zahlen und die regelmäßige Kommunikation mit den ärztlichen Mitarbeitern und Pflegekräften ist essentiell für eine effiziente Kostensteuerung.“

Oft ergeben sich beträchtliche Einsparpotenziale bereits dadurch, dass sorgfältiger als zuvor definiert wird, welche Produkte für welche Patienten tatsächlich notwendig sind. So hat man in der Klinik von Prof. Marx in Aachen die Verabreichung des Antikoagulans Argatra zurückgefahren und dadurch eine Absenkung der Kosten um 20 Prozent erzielt, ohne Einbußen in der Patientenversorgung hinnehmen zu müssen. Mit Hilfe eines mehrstufigen Testverfahrens wird jetzt sichergestellt, dass tatsächlich nur solche Patienten, bei denen eine Heparininduzierte Thrombozytopenie (HIT) vorliegt, Argatra verabreicht bekommen. Alle anderen erhalten das kostengünstigere Standardmedikament Heparin.

Ähnliche Effekte erzielten die Aachener Intensivmediziner durch eine medizinisch abgesicherte Reduktion von Antibiotikagaben und Blutgasanalysen. Infolge solcher Maßnahmen sanken die Sachkosten in den vergangenen fünf Jahren um durchschnittlich fast 10 Prozent, während die Belegungstage im gleichen Zeitraum um 11 Prozent stiegen.

Internationale Standards sind unverzichtbar

Neben dem „human-factor“ ist auch der prozessuale Aspekt entscheidend für eine Optimierung der Einkaufsabläufe und Sachkostensteuerung: Gemeint ist die konsequente Digitalisierung des Einkaufs und der Produktklassifizierung auf der Basis internationaler Standards. Auch dies funktioniert nur in enger Kooperation zwischen Klinikum und Einkaufsgemeinschaft, die die digitalen Tools zur Unterstützung des strategischen Beschaffungsprozesses zur Verfügung stellt. Die EK-UNICO hat zudem ein Data-Warehouse eingerichtet, über das alle Mitgliedshäuser sämtliche Verbrauchsdaten aller EK-UNICO-Kliniken auswerten und analy-sieren können. Die konsequente Digitalisierung muss auch die Einbindung der elektronischen Patientenakten beinhalten, um die Zuordnung von Materialien auch im Einzelfall effizient und nachvollziehbar vornehmen zu können.

Insgesamt erweist sich die Optimierung der Sachkostensteuerung also als ein komplexer Prozess, in dem viele unterschiedliche Stellschrauben zu bedienen sind. Die EK-UNICO und ihre Mitglieder sind bereit und in der Lage, diese Herausforderungen anzunehmen. Dass sie dabei auf dem richtigen Weg sind, hat auch der konstruktive Erfahrungsaustausch des Symposiums gezeigt.

Dr. Frank Obbelode
Geschäftsführer der EK-UNICO GmbH, Münster